Bearbeitet: 01.06.2016.


Endzeit-Dramen - Planet ERDE in 1.000.000 Jahren. THEMA der VISIONÄRE.

Der Blick in die weite Zukunft des Planeten ERDE. Nicht einfach, aber viele Autoren versuchen dieses Thema. Was sehen Autoren - Asteroidentreffer ein Polwechsel, Mißbrauch von Erfindungen, biologische Veränderungen, neue Krankheiten - sie könnten die Zivilisation hinwegraffen. Kompetente Wissenschaftler neigen seit Jahren zu der Annahme, dass im weit fortgeschrittenen Stadium der Menschheit, vor Erreichen des Kollaps des Universums, sozusagen, wenn das Wissen absolut erobert worden ist - es nichts Neues mehr gibt, keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse erworben werden - die Phase der Degeneration der Menschheit eintritt, und in deren Folge allgemein gesagt, eine intelligente Zivilisation ausstirbt, da ihr Triebmittel oder ihr Träger der Entwicklung ausgeschöpft ist. Der Zeitpunkt des Eintritts des Degenerationsverhaltens ist eng verknüpft mit der Fragestellung des Erreichen der Raumfahrt, und zum anderen Fall auch durch das abrupte Ende, durch Beginn des Sonnenkollaps. Wird die interstellare Raumfahrt vor dem Zeitpunkt des Sonnenkollapsus erreicht, ist wahrscheinlich ein Überleben der Menschheit gesichert?

Autor CLIFFORD D. SIMAK, BUCH CITY, 1952, dt. ALS ES NOCH MENSCHEN GAB, 1964, Simak entwickelt hier einen krassen Gegensatz zu den anderen Endzeit-Autoren, ich empfinde diese Linie der Menschheit fast logischer als die von BRIAN W ALDISS oder PHILIP JOSÉ FARMER. Nahe kommt sie der Utopie von VERNOR VINGE zwar auch nicht, hat aber einen ähnlich-zeitlichen Verlauf wie die Geschichte von HERBERT W FRANKE. Es sind Vorstellungen der Autoren nach der mittlerweile berühmten Frage: Was wäre wenn?

SIMAK, 1904, wäre dieses Jahr 112 Jahre alt geworden, er erhielt für seine Werke fast alle wichtigen SF- und Fantasy-Preise. Dies Buch wird als sein/dein Bestes gewürdigt und gilt als ein Vorhalte-Werk der SF für Einsteiger. Natürlich hat es nicht die Action wie Bücher heute haben, aber es akkumuliert eine sehr gewissenhafte Logik. Ein Roman der begeistert, wenn auch in einer knappen komprimierten Fassung. Sie ist jedoch so einprägsam, dass man das TB in einem Ruck durchlesen kann. In diesem Roman, der in acht Geschichten gegliedert ist, sozusagen eine Chronik darstellt, legt SIMAK eine ungeheure Spannung an den Tag, und erzählt von Gründen und Entwicklungslinien der Menschen die absolut einleuchtend sind. Was kann in 7.000 Jahren, von Anfang bis Ende, nicht alles passieren. Es ist nicht die knapp bemessene SF-Staffage, die den Roman so heraushebt und der "Großen Literatur" anpasst, sondern die menschlich-zukünftige Evolution an sich. Und der Ausgang der Geschichte beschert dem Leser in gewisser Weise eine Geschichte der Endzeit der Menschen auf der Erde.

An Hand der Familien-Dynastie WEBSTER schreibt SIMAK über Generationen hinweg einen möglichen Entwicklungsverlauf der Erdbevölkerung am Beispiel Amerika. Das Buch beginnt damit, dass in einem Rückblick intelligente Hunde über das Wesen Mensch reden, das einstmals existierte. In einem Verlauf von 7.000 Jahren starben die Menschen aus, bzw. sind Bewohner anderer Planeten geworden, oder haben sich einfrieren lassen. Auf der Erde leben nur noch intelligente Hunde oder andere Tiere die sprechen können. Mit fortlaufenden Jahren vergessen auch die Hunde aufgrund mangelhafter Überlieferung, sie haben keine Hände zum schreiben, die Kenntnis vom Wesen Mensch. Und in den Gesprächen der Hunde am nächtlichen Lagerfeuer kommt schließlich die Frage auf, ob der Mensch nur in der Literatur vorkommt. Ob es nur Dichtung ist. Ob es ihn jemals als lebendes Wesen gegeben hat? Sozusagen ist das Wissen über die Rasse Mensch den Hunden verloren gegangen. Trotz aller famosen Technik, zerfällt das Wissen um die Dinge dem Vergessen anheim ...

Autoren BRIAN W ALDISS, HERBERT W. FRANKE, PHILIP JOSÉ FARMER.

Autor HERBERT W. FRANKE schrieb 1985 den Roman ENDZEIT. Der Roman zählt zu den Besten Werken des Autoren FRANKE. In 70000 Jahren lebt die dezimierte Menschheit nur noch in wenigen bewohnbaren Regionen. In abgedichteten Arealen und Kuppelstädten. Einzig und allein Computer beherrschen noch die Erkenntnisse der Wissenschaften. Die Bedienung der Computer obliegt wenigen Bibliothekaren. Die Versorgung der Menschen geschieht vollautomatisch. Die Technik läuft im Verborgenen ab.

Der Held der Geschichte, ANDRES, wird als Bibliothekar im Dienst der Regierung eingesetzt. Er scheint überfordert. Sein Auftrag ist unklar. Keiner gibt ihm Anweisungen. Ein umwälzendes Ereignis steht bevor, doch keiner nennt es beim Namen. Und die Regierung giert nach einem Dokument, das ANDRES völlig unbewußt in der Bibliothek finden soll. HERBERT W. FRANKE erhielt 1986 dafür den KURT-LASSWITZ-Preis.

Der Roman AM VORABEND DER EWIGKEIT von BRIAN W. ALDISS. Mutierte Menschen leben in gigantischen Wäldern, Tiere gibt es nicht mehr, das Leben steht auf primitiver Stufe. Keiner weiß mehr was Technik ist. Fast alle Pflanzen sind ärgste Feinde der Menschen. Und doch ist trotz aller Unbill in manchem Kopf noch Gedankengut über das Ende der Welt und das Wissen um den Weg daraus.

Autor PHILIP JOSE FARMER und der Endzeitroman tollster Phantasie, DUNKEL IST DIE SONNE, dt. 1980. Klappentext und Nachworte von HANS JOACHIM ALPERS. Rückständige Zukunftswelt wie im Roman AM VORABEND DER EWIGKEIT. Halbintelligente und Tierische Freunde, die Verfolgung wird zu einer atemberaubenden Odyssee. Das Fehlen, nur noch Relikte der grauen Vorzeit. Die Erde wird bedrängt von der sich ausbreitenden Sonne. Pflanzenwesen. Autor FARMER wählt absondere Namen für die Protagonisten. Menschen-Ähnliche. Episode an Episode. Organische Raumschiffe.

Ein typischer Roman der 1970er Jahre, unerschöpfliche Vielfalt. ALPERS im Nachwort sagt: Der vorliegende Roman, wahrlich eine "tour de force" und ein SF-Abenteuerroman bester Tradition, dürfte zu FARMERs herausragenden Werken gehören.

Autor VERNOR VINGE, EIN FEUER AUF DER TIEFE, dt. 1995, ist vorwiegend eine weitentlegene Space-Opera im kosmischen Krieg mit galaktischen Ausmaßen. So auch der Klappentext. Das Buch erzählt von vielen galaktischen Rassen in einer sehr, sehr fernen Zeit. Aber das Buch charakterisiert die menschliche Entwicklung in fernen Ären, die mit der interstellaren Raumfahrt begonnen hatte und wahrscheinlich nur durch den Kollaps der Galaxis zu bremsen ist?

Autor N. LEE WOOD, schrieb FARADAY'S ORPHANS 1997, dt. FARADAYS WAISEN, 1999. Nach der großen Schwemme von Endzeitromanen in den achtziger Jahren ist es nicht einfach, diesen Stoff ohne das Heranziehen gängiger Klischees umzusetzen. N. Lee Wood gelingt es dennoch, dem Thema neue Seiten abzugewinnen. Anders als in den meisten Endzeitvisionen wurde der Weltuntergang nicht von Kriegen oder einer ausufernden Umweltverschmutzung herbeigeführt, sondern durch eine Verlagerung des Erdmagnetfeldes. Die schützende Ozonschicht entwich in den Weltraum, und der größte Teil der zivilisierten Menschheit war dem Tode geweiht.

Die wenigen Überlebenden entwickelten verschiedene Taktiken, um sich gegen die neuen aggressiven Umweltbedingungen zu behaupten. Einigen Städten gelang es schon vor der Katastrophe, sich mit gigantischen Schutzkuppeln gegen die tödliche Sonnenstrahlung abzuschirmen. Berk Nielsen ist Pilot in den Diensten der überkuppelten Stadt Pittsburgh und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Befördern von Postsendungen und dem Erkunden der näheren Umgebung. Das Leben bekommt eine Wendung. Berk Nielsens gerät in eine grausame und tödliche Welt, in der nur das nackte Überleben zählt, kostet ihm fast den Verstand und den Lebenswillen. Er ist dabei fast unerträglichen Erniedrigungen ausgesetzt, beginnt jedoch während dieser Zeit, sein altes Leben und die Mechanismen der elitären Stadtgesellschaft zu hinterfragen.

Der Autorin gelingt es mit fast schmerzhafter Intensität, die Erlebnisse ihrer Hauptfigur nachempfindbar zu machen, obwohl sie zum Ende der Handlung fast übers Ziel hinausschießt.

Autor MICHAEL MOORCOCK, Endzeitroman. 1972. Den Ausgang, der letztlich ebenso durch Tod der Zivilisation endet, aber der endet mit dem Kollaps des Universums, die höchste letztendliche Lebensgrenze für Zivilisationen und nicht durch die fehlerbehaftete Entwicklung der Menschheit selbst. Buch - AN ALIEN HEAT, dt. DIE ZEITMENAGERIE, 1976. Trilogie, mit DAS TIEFENLAND, und WO DIE GESÄNGE ENDEN.

Die Handlung ist grob betrachtet, eine Geschichte um einige Überlebende der Evolution, die praktisch unsterblich sind und deren Wissen ausreicht sich jeden Wunsch zu erfüllen. Der Klappentext: In ferner Zukunft - die Zeit des Universums neigt sich ihrem Ende entgegen - leben nur noch wenige Menschen auf der Erde. Sie verfügen über viel Energie und schaffen sich ihre Umgebung so, wie sie gerade ihrer Stimmung entspricht. Gelegentlich wird die dekadente Atmosphäre belebt, wenn ein Raumfahrer oder ein Zeitreisender aus der Vergangenheit eintrifft. Er landet gewöhnlich in einer Menagerie, wo die absonderlichsten und rarsten Wesen aus Zeit und Raum gesammelt werden.

Trotz aller Bedenken für diese weitentwickelten Welten, in denen Nichtstun das allgemeine Bedürfnis darstellt, betreiben ihre Bewohner keinen Mühsieggang, ihre Kreativität mündet in das Gestalten von Landschaften, Gebäuden, Fahrzeugen, ja ganzen Welten, wenn auch mitunter nur in gutfunktionierenden Miniaturen, u.a. Nicht zuletzt in den riesengroßen Menagerien, den Orten für ihre Sammelobjekte, deren Insassen sie sammeln wie heutzutage eben zum Beispiel CDs in Ordner und Regalen. Raumfahrer bringen die Kunde vom baldigen Ende der Welten, doch dies berührt die Bewohner überhaupt nicht, sie haben sich ihrem Schicksal scheinbar ergeben. Und trotz aller Kenntnis der Dinge und des Wissens, kann man dies Ende nicht verhindern.

IHEREK CARNELIAN verliebt sich. Doch sie wird ihm nach gewisser Zeit entrissen und in das viktorianische England zurückgebracht. Er beschließt ihr zu folgen. Die Vergangenheit ist aber seinen Vorstellungen nicht entsprechend, die Schriften der alten Welten stellen dies England anders dar, für IHEREK ist sie ein tödlicher Dschungel.

Autor KURT VONNEGUT, GALAPAGOS, dt. 1987. KV ist einer der Großen unter den geistreichen SF-Autoren, wenn auch sein Werk darin sehr schmal ist. Er benötigt nicht viel SF-Staffage um gewaltige Denkbeispiele und SF-Szenario zu gestalten. KV braucht keinen Weltraum und keine Raumschiffe, was umstritten ist.
Nichtstuer und Begüterte und zufällig Ankommende treffen sich in dem ecuadorischen Guayaquil, um bald eine geplante Reise zu den Galapagosinseln mit der "Bahia de Darwin" anzutreten. Die Hafenstadt war durch Charles Darwin, dem Schöpfer der Natürlichen Entwicklungslehre, zu ihrer Bedeutung gekommen. Galapagos ist das örtliche Ziel des Romans, die Geschichte eher das Ding einer gewaltigen Idee mit halb-abstrakter Schilderung. Doch bis zum Start lässt sich KV viel Zeit. KV beginnt seinen Roman mit einer Vorstellung wie die Tiere auf die felsigen Galapagos gekommen sind. Anfänglicher Spielraum ist das Jahr 1988.
KV's Schreibstil ist recht "bunt", er greift bei der sukzessiven Darlegung des Erzählfadens die Vor- wie auch die Nachzeit, um Logik zu finden. Die Nachzeit ist eine fantastischer Weise Millionen Jahre später. Die Personen sind zum Teil recht bekannte Leute aus Gesellschaft und Politik.

So treten eine Mary Hepburn, eine Jackie Onassis, eine Paloma Picasso, Mike Jagger und Henry Kissinger und andere auf. KV schreibt betonend über Wirkungen der "Großen Gehirne", meint damit einen geistigen Inhalt, als Klischee für bekannte Persönlichkeiten. Solche Menschen stellten allerlei Unfug an, auf Basis ihrer Schädel. Diese großen Hirne hatten zum Beispiel Schuld, dass 1988 Krieg ausbrach, der dimensional alsbald alle Länder erfasste. KV führt Sequenzen, die zeigen dass das große Gehirn gewisser Menschen, scheinbar Unmögliches mit ihnen macht.
KV's Figurenführung ist beneidenswert, nichts trampt außerhalb der Linie, alles fließt in einem bewegenden Strom. Bei ihm ketten sich die Charakterisierungen verschiedener Menschen. Die erste Idee selbst - Krieg zwischen Peru und Ecuador - und darauf folgend Flucht einiger zu der Galapagosinsel Santa Rosalia und sie sind Reserve der Menschheit für einen Neuaufbau der menschlichen Zivilisation nach einem alles vernichtenden Krieg. Dunkel ist der fade beschriebene Hintergrund.
Nur ein Fakt des Ideen-Volumens sei noch genannt: KV kann sich beispielsweise lange an dem Begriff EHE aufhalten. So ist 2029 die erste offizielle Hochzeit auf der Insel Santa Rosalia. 23013 ist die letzte offizielle Eheschließung auf der Insel. Später kennen sie den Begriff EHE überhaupt nicht mehr. Der Ursprung ihrer Fastunsterblichkeit liegt im fiktiven Erleben des "Blauen Tunnels", einer Erfindung von KV. Von Santa Rosalia ergießt sich die neue Menschheit über die Erde.
KV berühmtestes Buch ist "Schlachthof 5". Er selbst war Kriegsgefangener in Deutschland und erlebte den Luftangriff der Alliierten in Dresden. KV schreibt nicht um der SF Willen, sondern aus der Notwendigkeit sein Thema damit besser auszustatten und zu erklären. Diese Geschichte würde ohne SF einfach nicht funktionieren. KV braucht keine Physik, sondern er braucht 1000 Charaktere, die er auch hat. Seine Geschichten entwickelten sich wahrscheinlich beim Schreiben. [MST 5/2007/18.WO.]