2008/Oktober - Langlebigkeit und Unsterblichkeit.


Da wir bemüht sind eine relativ breite Darstellung des jeweiligen Monat-Themas zu geben, überarbeiten wir sporadisch den Text neu. Nehmen auch Vor45er-Bücher zu Hilfe, versuchen entsprechende Literatur der Jahre 1950-2010 und moderne Themen hinzuzufügen.

"Tod den Unsterblichen" - wer könnte das eher brüllen als die Betroffenen in Altmeister FREDERIK POHLs spannendem gleichnamigen Buch. In der gewöhnlichen Evolution gelangen Mutierte zur Unsterblichkeit. Eine tolle Geschichte. FREDERYK POHL bekam auch viele SF-Preise für seine Texte. Er war ein Könner. Wir verweisen auch betreff weiterer Informationen auf die Rezensionen im ARCHIV "SF-AUTOREN". Ebenfalls dort, die Rezensionen der anderen abgebildeten Bücher.
{Überarbeitet 2008}

1928 kannte man schon das Bild des EWIGEN JUDEN in moderner Form, eines unsterblichen Menschen, auch genannt AHASVER, die Literatur kennt ausgiebig viele dieser Helden, bis in die jetzige Zeit der "Ahashver" des STEFAN HEYM. Die Autoren schildern das Schicksal eines Juden, der aus der Natur und dem Glauben heraus unsterblich ist, dessen Status auch mit Gewalt nicht geändert werden kann.
Anders bei MICHAEL SZAMEIT, er digitalisiert das Bewusstsein seiner Helden in "Copyworld", und damit die Transplantation und schließlich Existenz desselben in einen anderen Körper, in einen Klon, oder in eine Maschine. Das bietet nahe Verwandtschaft zur Rubrik "Wiedergänger". "Wiedergänger" zu sein heißt, das Ziel der Unsterblichkeit in Etappen fortzusetzen. Letzteres kann nur durch brutale Gewalt und das Fehlen einer Kopie verhindert werden. WIEDERGÄNGER bedeutet, nach einem normalen Leben eine nächste Erweiterung und Fortsetzung in einem anderen zumeist jungen Körper zu erfahren.
Smeeth - der Unsterbliche in ANDREAS ESCHBACHs Roman "Quest" arbeitet zum Wohle anderer Menschen, er ist sozusagen der positive Held, im Gegensatz zu POHLs Unsterblichen, die Menschen telepathisch zum Selbstmord bewegen wollen. LARRY NIVENs langlebiger PAK-Protector (durch das Essen von "Lebenswurzeln" geworden) bemüht sich allein darum, die Dynastie seiner Verwandtschaft zu stabilisieren. Roman im Zyklus "Ringwelt", und gehört zu den interessantesten Entwürfen der SF. Wo hört Langlebigkeit auf, wo fängt Unsterblichkeit an?
JACK VANCE stellt in "Kaste der Unsterblichen" den zähen Kampf um das erreichen der Unsterblichkeit dar, wobei letztendlich die unmittelbare Methode der Unsterblichkeit nur vage erwähnt wird. VANCE geht es mehr um die menschlichen Probleme dabei. GREG EGAN beschreibt in "Cyber-City" eine Methode um nach dem normalen Tod als gescannte Kopie in einem Computernetz (z.B. Internet) weiter zu leben. ROBERT A HEINLEIN setzte auch in "Die Leben des Lazarus Long" ein Beispiel des EWIGEN MENSCHEN. JOHN WYNDHAM schildert in "Ärger mit der Unsterblichkeit" Unsterblichkeit durch das Essen einer Flechtenart, jedoch ist sie recht selten und damit nur wenigen zugänglich.
(A) Zeitgemäße Romane erzählen natürlich auch von neuen und modernen Methoden der Verjüngung bzw. dem Erreichen der Langlebigkeit. PETER F. HAMILTON erzählt in "Der Dieb der Zeit", 2002 in England erschienen, von dem 78-jährigen Wissenschaftler Jeff Baker, der die wohlfeine Fortsetzung des Internets, die Datasphere, mit dem von ihm erfundenen Speicherkristall ausrüsten konnte. Dadurch wurde die enorme Leistung des Netzes möglich. Die Freiheit aller Informationen ist gegeben. England genehmigt ihm dafür zum Dank als ersten Menschen überhaupt, die millionenschwere Verjüngungskur, die, die Wissenschaft nun ausgegoren hat. Doch irgendwie ist ein Fehler dabei geschehen und Baker stirbt am Ende des Romans. (B) RICHARD MORGAN schildert in "Das Unsterblichkeitsprogramm", ebenfalls 2002 erschienen, eine gutklingende Methode der Unsterblichkeit. Takeshi Kovacs lebt eingelagert in Überlebens- und Pflegemaschinen auf "Harlans Welt", in seinem persönlichen Stack. Derartiges besitzen alle Menschen, wenn sie einigermaßen Geld dafür ausgeben können. Die Methode, das menschliche Bewusstsein auf Datenträgern zu speichern, nutzen sie, um gegebenfalls in junge Körper zu schlüpfen, um ein langes Leben durch Nutzung neuer Körper zu haben oder Jahrzehnte zu überspringen. Hier hilft das regelmäßige Backup. Dieses Stack wird am Hinterkopf einoperiert, und verpasst dann keine noch so kleine Szene seines Lebens.


Sicher gibt es noch weitere Beispiele für Langlebigkeit oder Unsterblichkeit in der Basis der Tausende SF-Bücher. Im Prinzip kann man wesentlich vier Richtungen ausmachen:
(1) Mutation.
(2) Irgendwelche Hilfsmittel (Speisen, Getränke, u.a.).
(3) Digitalisierung.
(4) Kloning.

Die allgemeine Nutzung des Unsterblichkeits-Begriffes ist Themen-markierend und zugleich Freiheit für die Autoren. Die Auslegung des Begriffes ist glücklicherweise rein subjektiv. Keine Doktrin hemmt. Sonst wäre es auch keine Literatur - kein Multiforum aller Autoren?

Weitere Bücher älteren Erscheinungsjahres, die uns auffielen:
+Bruderschaft der Unsterblichen (SILVERBERG, 1972)
+Der Fluch der Unsterblichen (VLCEK, 1976)
+Die Unsterblichen und die Toten (POHL, 1990)
+Fluch der Unsterblichkeit (ZELAZNY, 1966)
+Palast der Unsterblichkeit (van VOGT, 1970)


Zuletzt bearbeitet: 03.Oktober 2011.