Dienstag.21.November.2017.//.+++MEZ=10.41.UHR./.


SCHREIBTISCH... Geöffnet... Darin die Schublade mit kleinen TEXTEN... entstanden in der FREIZEIT und einer täglichen VARIANTE Phantasie, die Versuche hieraus WAS ZU MACHEN... im Sinn mit Arbeit Energie zu gewinnen... Miniaturen als SHORT-STORYs... kurze Geschichten, genannt auch von mir als Fragmente, die Gedanken auch als Wurzeln des BISHER gelebten LEBENs...


Manfred Steinert schreibt...







Blanks...Titel der Storys
... Der Traum und ich mittendrin
... Der Sprechtrichter
... Schreiben von Texten ...
... Erbgut: Balance eines Nachtlebens
... Der schwarze Vorhang #Enterprise#
... Manche schwarzen Vögel können täuschen..
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Der Traum und ich mittendrin

Als Träumender. - Wütend und wild artikuliert ein halbintelligenter Vogel, so ein seltener schwarzer BEO, die Stimme seines Herrn. [Des Quartierwirtes im 1999er Urlaub]. Ich erkenne sein Gesicht im Traum. Seine ausgefaserte Jeanshose, sein quergestreiftes T-Shirt.

Derweil, die bei aller versuchten Stimmenanpassung des BEO immer noch tierischen Laute heulen, fressen sich in meinen Kopf wie blutgierige Krokodile. Sein Können saugt an meiner Substanz, potenziert Zweifel. Das Mögliche hat sinnbildlich in mir die Kraft eines Panzernashorns. Meine Hose rutscht nach unruhigem Bewegen auf die Knie hinab. Ich muss aufs Klo.

Zurück im Bett, schlafe ich wieder ein: Vielleicht ist der BEO auch nur ein Gestaltwandler, ein Alien - und kann daher so gut sprechen? Mir scheint alles möglich. Das Phantastischste ist sicher Wahrheit. Dann ist der Faden des Nachtfilms weg ... ich wache nach Stunden kurz auf.
Mein Bett ist weich, und auch ein Ort der seltsamsten Gedanken, Träume, Träume, Träume ... mitunter Ursache sich materialisierender Schweißtropfen. Gedanken, die bei hartem Lager wohl kaum auftauchen, da der Körper das Umfeld spürt und dadurch bestens abgelenkt ist. Doch wir sind Diener unserer Hirne, und auch ein Durst kann uns aus dem Bett treiben, wie auch ein Drang. Und ein Traum kann Angst entfachen. Wieder bin ich eingeschlafen: Der BEO ist stumm, mit ihm der Wirt, raus aus meinen Sinn. Plötzlich, ein berstendes stechendes Klirren, relativ nahe, unmittelbar nah, Schall wie das kreischende Geräusch einer soeben platzenden Fensterscheibe.

Traum und Schlaf sind endgültig vorbei: Der Knall - Resultat einer Saufparty? Aber diesen Gedanken verwerfe ich sofort wieder, ich höre keinerlei Musik, kein Sprechen, kein Singen. Auch den Gedanken an Einbrecher, verwerfe ich, so mitten im Winter. Sollte einfach das Material ermüdet sein? Aber ein solches Ereignis betreffs Glas hat mir noch keiner erzählt.
Ich lausche in die Nacht, manierliche Stille, das Geräusch muss wohl zum Menü des Traumes gehört haben? Nicht der kleinste Mucks stört noch die friedliche Nacht.
Vermeintlich durch ein Geräusch des eigenen Traumes aufgewacht? Seltsam. Kurios. Und auch Phantasie, was mir ein Lächeln auf die Lippen setzt. Wie der Schnarcher, den das eigene Grunzen aufweckt. Also auch Realität.

Mein Resümee des soeben Erlebten besänftigt nicht die Angst. Meine Sinne sind durcheinander. Haben die Sprechgesänge des schwarzen BEO die Glasscheibe platzen lassen? Irgendwo im Viertel? Oder gaukelten meine Sinne mir materielle Action vor? Entitäten haben aber doch kein Leben ...

Mein Blick fällt auf den Spiegelschrank, mein greller Aufschrei, in dem Moment kommt Gudrun aus dem Bad und sagt kleinlaut, dass sie den Spiegel ... mein Gesicht verzerrt sich drastisch, die Nase hängt plötzlich herab vor lauter Frust, und Gudrun fügt lapidar hinzu, dass ich die gesamte Nacht ein sehr lautes Schnaufen, Schniefen und Stöhnen von mir gegeben hätte, nach der gestrigen Geburtstagsfeier, na, sie hätte deshalb schließlich den Spiegel aus Wut zerdonnert ...

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Der Sprechtrichter

Ein riesiger spitzer Sprechtrichter mit großer Öffnung oben und kleiner unten, an die 10 Meter hoch, bestehend aus dicken glänzendem Blech fiel fast geräuschlos auf das rote Dach mit dem majestätischen Balkon des mächtigen Rathauses einer großen Stadt.
Einwohner hatten dies wohlwollend beobachtet, bedachten den Nutzen der Sache und machten sich gegenseitig darauf aufmerksam; ihre Äußerungen würden jetzt vielleicht eher Gehör finden?
Nachts sammelten sich in eben diesem Trichter die Gedanken der Stadtleute, böse Gedanken, kritische Gedanken, nur wenige waren zufrieden, Gedanken über ihren Bürgermeister. Selbst die eigenen Parteileute waren unterschiedlicher Meinung.
Vordem, zu allen Zeiten, wurden die zahlreich wimmelnden Gedanken, kritische des Fortschritts in der Stadt, abgemurkst und umgewandelt in Lobhudeleien, die im Nichts ohne Wirkung verklangen.
Alle Gedanken fühlten sich nun wohl im Trichter darinnen, waren sie doch am richtigen Ort um zu demonstrieren, und der Trichter verstärkte sie noch erheblich, ja fast zu einem Orkan.
Im Rathaus schallten und brüllten diese Gedanken ...
Am nächsten Morgen gab der Bürgermeister seinen sofortigen Rücktritt bekannt, denn selbst die Landesregierung war auf diese Gedanken gestoßen.

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Schreiben von Texten ...

EXQUISIT geschlafen diese Nacht ("exquisit", ein doch noch passend treffender Ausdruck der vergangenen DDR, wohl für Privilegierte?, - nicht für mich, ich lebte aber auch 45 Jahre in dieser DDR). Trotzdem sei es so geschrieben, die Tradition hat den Schliff gegeben: Vergangene Nacht EXQUISIT geschlafen, wieder - der Glücksbringer - nun daraufhin bereit die Welt aufzubauen, die Partnerin zu erfreuen, das eigene Image zu stabilisieren, Bildung zu erhaschen, oder doch nur, jetzt mit 56 Jahren, die freizeitliche Computage an der Homepage voranzubringen? Immer noch von allem gute Nuancen.

"Exquisit geschlafen" - ein banales, ja eigentlich tristes Wortgeflecht, ein kurzes Wortgeflecht, für eine so prima Sache, die Entscheidung formt, über den anstürzenden Tag, oder für eine fast-teuflische Motivation, denkt man an Beischlaf, oder an berufliche Erfolge, eine folgend gravierende aufbauende Tätigkeit nach der Erholung.

Und "Schlaf zu zweit" - die Spitze des feurigen Eisberges oder eisigen Feuers, was für eine simple Wortspielerei, diese Kalt-Warm-Dusche, ein Wohlsein hoher Einfühlsamkeit, die Potenz mit gutem Exponenten, im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas verkitscht und doch einprägsam vom Mathematiker gesprochen, als " ... ein Operator des Glücks ...". Ein erstklassiger Funktionismus.

Überschwängliche Formulierungen für ein Wortgeflecht schildern einen phänomenalen Zustand, einen Höchststand an Gefühlen. Glück ist ein Gefühl, ein Austausch von chemischen (Kampf)-Stoffen, kein Fakt des sonst meist aktiven Verstandes. Zu Glück gelangt man weder durch Erwerb, Kauf oder Miete desselben, Glück wird einem nur geschenkt. Wohl auf Widerruf?

Deshalb auch bin ich heilfroh seit November 2000 wieder zum SCHREIBEN gefunden zu haben, nach banal-gewöhnlicher Sitte, erst Notizen, dann Eintippen taktil ... Es ist Glück dies zu machen. Zeit zu haben. Einfälle auszuwringen. Sich zu probieren. Und einen "Schreiberling", sprich Computer zu traktieren. Vordem das nervende Aussetzen einiger Monate, oder die Angelegenheit ganz in Zweifel ziehen, nicht nur stagnieren, sondern sie töten.

Schreiben macht mich irgendwie glücklich. Nicht unbedingt Schriftsteller sein mit Veröffentlichungen von langen Romanen, sondern Schreiben eben so für mich - Eindrücke, Erfahrungen, Träume, Visionen, Fakten - für mich, für meine Gefühle. Für das TAGEBUCH. Für meine Partnerin. Eventuell dies noch in der Homepage darstellen? Ein gewisses Quantum, ein bisschen von ÜBERZEUGUNG lagern, gibt Kraft fürs Leben und das sollte ein Mensch besitzen - etwas Glück, und das wiederum gibt auch Guten Schlaf für die Nacht.

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Erbgut: Balance eines Nachtlebens

Nächtliche Träume balancieren ihre Figuren und Handlungen durch die Rechenkammer meines Hirns, in der ich sie letztendlich erblicke. Die Chemie meines Kopfes zerrt sie auf die Bildfläche eines biologischen Monitors und ich sehe endgültig. Milde und schlechte Träume. Schatten. Figuren. Wesen. In quirliger Bewegung. Meist unverständliche Szenario.

Ich sehe ebenfalls nur in Bewusstlosigkeit, im tiefsten Schlaf. Zum Vorteil, vor mir, kein horrorartiges Schlachtfest, doch manchmal liebliche Orgien des Sex, kein Full-Time-Job der Arbeit, kein Bungeejumping, kein Tiefseetauchen, kein Eisschranksitzen, keine Höllenqualen.

Nur nebulöse und bunte Abbildungen des zuvor Erlebtem, so sagt man, dies würde sich widerspiegeln, zum Beispiel des Fernsehens, Texte aus Büchern und Journalen, Begegnungen, persönliche Phantasie - all dies hinein in mein Hirn - sie scheine ich nach verträglichen Kategorien gut zu filtern. Auch abzubremsen, aufzuhellen, zu entflechten. Schlechtes einfach gar abzuweisen? Stabilität des eigenen ICH? Oder Tun monotoner Biotechnologie?

Doch was darunter ist schlecht? Dies sortiert die persönliche Einstellung sofern man eigentlich landläufig gesund ist. Abhängig vom Alter, von Bildung, von Interessen. Womöglich auch vielen anderen Kategorien? Oder hat ein JEDER einen Plan in speziellen Genen verankert, der auch alles was das persönliche SEIN betrifft, für das kurze Leben kristallisiert, für ein "persönliches Maß am Leben"? Eigenschaften: Gut, böse, klug, mittelmäßig, stark, schwach, geil, schräg ...

Diesen Plan konnten die Eltern wohl kaum beeinflussen? Und doch programmierten sie auch, mit dem Geschlechtsakt - aber eher UNBEWUSST, nur getrieben durch Gefühle ...

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Der schwarze Vorhang #Enterprise#

Ein Sonntagabend im Jahr 2013 - das Schlafzimmerfenster hat keinen Vorhang mehr - nichts Besonderes im Allgemeinen, aber für mich von totaler Bedeutung; ich will lesen, bei Lampe und Mondschein, mit dem Blick durchs Fenster entgegen früheren Gewohnheiten, Erinnerungen brechen in mir auf, nehmen Formen an von Büchern und Grafiken und einer recht menschlichen Fee, sie veränderten ehemals mein Leben und nun glaube ich fester an das, was ich auch lese, an die Geschichten der Science-fiction und Fantasy, denn es ereignete sich vor etwa 7 Jahren ... und war trotz des Unnatürlichen flippige lebendige Wirklichkeit ... temporäre Wirklichkeit ... die deshalb bisher nie zurückkehrte.

Was war Eindrucksvolles geschehen: Der schwarze Vorhang, mit den aufgedruckten schnittigen Mustern der bekannten #Enterprise#, einem bemerkenswerten amerikanischem Icon meines Hobbys, über das breite Schlafzimmerfenster, war geschlossen wie etwa das städtische Theater nach Mitternacht, wie immer des abends, jeden Abend, er verbarg nun was dahinter war. Neugierigen Nachbarn versperrte er den Blick, ihre Balkone waren keine Trittbretter mehr in meine persönliche Intimsphäre, er begrenzte ihren Erzählstoff bezüglich lapidaren Tratsch. Abgeschnitten der Garten und die Stadt, Sommer wie Winter, wie eben durch eine feste Tür oder blecherne Jalousie. Kein Licht könnte hindurchdringen wäre es auch nur Tag gewesen. Existenz meiner Ruhe und Zufriedenheit - fürs Lesen. Der schwarze Vorhang.

Jeden Abend zu lesen kostete Kondition und Konzentration. Dabei meist nur das Genre Science-fiction und Fantasy. Seit vielen Jahren. Im gewissen Sinn musste man davon schon besessen sein. Ich war es ganz sicher. Meine Bücherregale beherbergten viele Romane und Erzählungen dieser Motive. Zugleich war es auch Faszination unbändiger Sammlermanie.
Es war Abend. Das dicke Buch "Caroline im nahen Orbit", eine Fantasy, von EMANUEL FASSBREIT in meiner Hand, war ich schließlich eingeschlafen.

Alltägliches Tun, morgens als erste Handlung den Vorhang öffnen, die #Enterprise# mit WARP FÜNF beiseite stoßen, und das Zimmer zu lüften. Ein festes unzerstörbares Programm, in meinem Hirn, festgebrannt wie auf einem metallenen Chip. Damit zelebrierte ich meinen Tagesbeginn um Sportübungen zu starten.
Nun war der Morgen angebrochen. Meine Erwartung im Finsteren zu erwachen, erfüllte sich heute nicht. Licht kitzelte mich ganz ungewohnt in dieser zeitigen unbefleckten Frühe an der Nase, und lockte erste Regungen meines Hirns hervor. Wieso Licht? Mein Blick zum Fenster und die sprudelnden Worte: "Wieso? Warum?", - erschienen blitzschnell aus meinem Mund, der vor Staunen offen blieb. Der Vorhang des Fensters war offen. Licht flutete ungehindert herein. Nicht weiter schlimm, aber von wem geöffnet? Das war der knallharte Umstand, der mich sofort aus dem Bett springen ließ. Ich lebte allein in dieser Wohnung. Nur meine Tochter sah ab und zu nach mir - doch früh? Wohl nicht? Mir stockte der Atem, mein Denken fand diesen Fakt abscheulich. Ekelhaft. Döste ich doch noch gern frühmorgens über Pläne für den Tag. Und irgendwer musste doch nun den Vorhang geräuschlos geöffnet haben? Also, meine Tochter war da gewesen.

Sie war nicht da gewesen, das offerierte ein betuliches Telefonat mit ihr. Und am folgenden Tag das gleiche. Der Vorhang war schon auf. Permanent schlecht.
Diametrales Gegenteil von ekelhaft, wenn es das gibt - die Lage wurde langsam beängstigend. Mein Bierverbrauch stieg. Mein Lesepensum sank. Unsicherheit bezüglich meiner Wohnung ergriff mein Bewusstsein. Ich informierte einen Freund, welcher meinte, ich öffnete den Vorhang selbst unbewusst. Aber dieser Satz beruhigte mich keinesfalls. Ich schlief fortan schlecht.

Mein Kopf brütete, ähnlich einem Generator oder Kernreaktor, pausenlos, Abschalten konnte ich schon nicht mehr, und ich wusste keinerlei Antwort mehr. Wer oder was öffnete den Vorhang?. Was?, - war eigentlich Blödsinn, Wer?, - war richtig. Varianten hatte ich durchgespielt. Genau wissend, ich hatte abends jedes mal den Vorhang manierlich geschlossen, stiegen langsam wunderartige Begängnisse und Vermutungen in meine Ganglien, ungewöhnliche Gäste, Gestalten aus Büchern, die ich aber nicht ganz ernst nehmen wollte, sie beruhigten zeitweise, doch nicht auf Dauer. Morgens war er wieder automatisch offen. Ja automatisch. Öffnete etwa eine hübsche schlanke Fee ...?, - kam ich schon ins spinnen und dieser Gedanke schien in meinem Kopf Wahrheit zu werden. Schon malte ich mir eine außergewöhnliche Begegnung aus, aufgrund der Bücher, die sehr zu meinem Vorteil ausfiel: Süße Worte, sanftes Lächeln, leichte Berührungen, leidenschaftliche Küsse, ...? Doch nach zwei Tagen verwarf ich diesen Spleen. Ich war durcheinander, wie der Inhalt eines Schneeglases.
Bestrebt hinter dieses freche zählebige und verteufelte Geheimnis zu kommen, erdachte ich eine exklusive Fangmethode, nämlich die Befestigung eines transparenten Fadens am Vorhang, das andere Ende des Fadens festgemacht an einem dicken Lexikon der Science-fiction. Würde der Vorhang nun aufgezogen, fiele das Lexikon mit einem derben Knall zu Boden, der mich sicher wecken würde? Und ich hätte die Ursache vor Augen.

Abends. Gesagt, getan, den Faden mit sinnvoller Akribie gespannt, damit auch nichts schief gehen konnte, ich schlief ein, schlief ganz unruhig ob der bevorstehenden Lösung der Sache. Weckte am Morgen vergnügt auf, glaubte ich doch an heutige Aufklärung.

Doch mir knallte ein Pflasterstein an den Kopf - der Vorhang war wieder offen. Und es hatte keinen derartig von mir gesteuerten Knall die Nacht gegeben. Das Lexikon lag nach wie vor am Platz, auf dem dunkelroten Stuhl.
Aber der Faden war abgelöst, sorgsam getrennt, Reste hingen noch am Stoff ... Wer foppte mich? Das Phantom WUNDER schien immer festere Gestalt anzunehmen, aber wie arrangierte es sich? Wiederholungen meiner Methode erbrachten nichts. Es vergingen Tage, eine Woche, der Vorhang war morgens stets offen. Und ich wusste nach wie vor nicht wodurch. Meine Nerven flatterten sprichwörtlich wie Wäsche im Wind. Ich aß nicht mehr richtig.
Entmutigt beließ ich die Sache, schon Nuancen fatalistisch. Dieses Geheimnis blieb in meinen vier Wänden verborgen wie der Putz hinter der Tapete, wahrscheinlich immer? Traurig, mystisch, unheimlich. Und ein wenig fuhr ein Gruseln über meinen Rücken.
Vielleicht konnten Nachbarsleute noch Rat geben? Beobachtungen? Erlebnisse? Bei ihrer starken Neugier. Jedoch Nachts? Mein letztes Aufbäumen erlosch von selbst ohne Glut.

Doch eines Nachts, drei Tage darauf, nach einer ausgiebigen Party, die mich eigentlich wieder stimmungsmäßig Instand setzen sollte, ich hatte viel und schlecht gegessen, mit Hobby-Freunden, wachte auf, und konnte nicht wieder einschlafen. Ruhig, bewegungslos, lag ich im Bett, hatte eine furchtsame Ahnung, die Augen weit offen und ließ allerlei Gedanken über mein persönliches Wunder Revue passieren.
Ein dumpfer lauter Klang von den Büchern drang herüber, gebar unheimliche Spannung in mir, nach dem Motto: Jetzt kommt die Auflösung des Problems. Den Roman im Blickfeld in dem ich derzeit las, bemerkte ich, er schlug sich sonderbarerweise von selbst auf, den Hartdeckel beiseite klappend, wie von Geisterhand geblättert, und eine Seite in der Mitte des Seitenstapels mit einer farbigen Grafik wurde sichtbar, offensichtlich Zauberei. Erregt schaute ich, zwang mich qualvoll zum Ruhigsein, zur kneifenden Geduld und wusste doch schon, dass Unnatürliches geschehen würde? Die Grafik zeigte eine junge hübsche Fee vor einem gigantischem Raumschiff im fast durchscheinenden lila Gewand, eine ergötzliche Figur, beleuchtet von einer imaginären Lampe aus dem Hintergrund. Und plötzlich, wie auf Kommando, oder wie das frühlingsartige stoßweise Wachsen eines Pflanzentriebes oder Keimes, explodierte die Grafik, wurde die Fee etappenweise menschengroß, materiell wie du und ich, anfaßbar, sie lächelte sinnig zu mir herüber, ein Feuer von Stimulation, denn ich berührte sie noch vorsichtig, bevor sie die zwei Meter vom dunkelroten Stuhl zum Fenster schritt, um den Vorhang aufzuziehen. Ein total hübsches Wesen, eine bildhübsche Frau, und ich glaubte der Günstling eines Zaubers zu sein.

Trotzdem gelang mir keine Entspannung. Meine Lungen platzten bald vor stillgehaltenem Atem, und doch fassungslos und unfähig irgendetwas zu tun, schleppte ich zwei Worte aus Geist und Lungen zu meinem Mund: "Du also!", denn ich kannte die Grafik. Ganz emotional und unbedacht ausgesprochen, meine erste Reaktion; sie zerbrach nicht erbarmungslos die unheimliche Pracht des Ungewöhnlichem wie zu Luft, nicht zu aufdringlich-heraufströmenden Sauerstoff, die Fee löste sich nicht urplötzlich auf, nein, sie fragte mich sanft und freundlich nach dem Lösungswort ihres Erscheinens, erriet ich den geheimnisvollen Code ihres Meisters würde sie immer existent bei mir sein, mit mir leben wollen, bis in alle Zeiten ... Mein Hirn war vor soviel Ergebenheit und Liebe die mir widerfuhr sofort blockiert - Schuld war mein langes Alleinleben - wie zugeklebt, vernagelt, verschlossen vor Glücksregungen, diese Möglichkeit, die sie mir offenbarte nahm mir simpel die Luft, auch die Besinnung. Und vor positivem Schreck stammelte ich noch einige Worte, doch sie hatten keinen normalen Sinn, der Klos im Hals verwandelte die Buchstaben in schrecklich-unsinnige Permutationen, sie entsprachen keiner Rechtschreibung mehr, nur ein desolates Gequake erschall - ACHZFAS, ERDAGDAS, VADSTERF. Halbgetötet brach ich ab, und sie schüttelte traurig den Kopf über mein Unvermögen. Sie gab mir ohne Lächeln mitleidsvoll noch 10 Minuten Bedenkzeit, öffnete derweil schon kühler den Vorhang, stockfinster draußen die Nacht, auch die #Enterprise# konnte nicht helfen, sie war Science-fiction, doch hier waltete Fantasy. Inhalte vieler dieser Bücher, im Kopf gespeichert, rasselten vorüber wie auf einem Monitor, das letzte Buch bot vielleicht die Lösung - Caroline - doch meine Ohnmacht hielt starr an wie die ewige Stofflichkeit eines gewöhnlichen Steines, ankerte weiterhin ein Nicht-artikulieren-können der Sprache, ich war fertig. Aus. Vorbei. Die beste Chance meines Lebens dahin ...
Ihr Wesen blieb im Raum noch wie für Sekunden eine bunte Säule, dann wie ein Hauch Ozon, schließlich war sie dahin, nur noch Erinnerung ... Nichts ist weiter, nichts mehr ...

Und noch heute rätsele ich: War dies tatsächlich geschehen? Oder ein Traum? Nein. Es wäre Demagogie, es zu leugnen. Es war Realität, wenn auch wohl eine einmalige Ausnahme? Es war eine ungewöhnliche plötzliche Liebe.
Langsam auch schiebt sich für mich die Notwendigkeit eines Fenstervorhangs wieder in den Vordergrund, die Neugier der Nachbarn kann man nicht bändigen, sie ist Gesetz.

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Manche schwarzen Vögel können täuschen ...

Ein düsterer Tag. Dunkel die Wolken am Himmel. Das Namensschild an meiner Haustür vermittelt - Herbert Pastera, Versicherungen. Ich wohne allein hier und schaue aus dem Schlafzimmerfenster um Sauerstoff zu schöpfen.
Große Krähen sitzen auf den knorrigen schwarzen Ästen der alten Pappeln vorm Haus, bewegen die Köpfe aufeinander zu wie Schöffen eines Gerichts, die ihre Ansichten austauschen, doch nie Einigkeit bekommen.
Oder - sie verhalten sich wie Menschen, die sich freche aufregende Neuigkeiten erzählen. Leute, die immerfort fluchen wie Gebeutelte im Abseits.
Oder - wie rumpelige Leute, die nervös shoppen, geradezu aufsässig nach den erstrebten Waren sich durchboxen, und Ellenbogen gebrauchen, wie Bagger. Sie haben Marotten Aufsässiger.

Doch - die Krähen, zahlreich in dieser Gegend und herbstlichen Jahreszeit, sie täuschen uns sicher bewusst damit, vollführen Taten die uns schrecken sollen, demonstrieren drei oder vier Gewohnheiten der Menschen, plustern sich erbost auf, sprechen keine verständliche Sprache, sie sind ja Tiere. Sie verbreiten ruhmlose Wichtigkeit, ohne Können ihr eigen zu nennen.

Doch ich kann es nicht wegwischen: Krähen haben etwas vom Menschen ...

Manch einem Zauberer, so zeigt man oft im Film, werden die Krähen als Sinnbild des Unheimlichen, als Ratgeber, als Schicksalsbote, als ruhige aber finstere Macht auf die Schulter gesetzt. Auch in den Büchern der "Schwarzen Geschichten" sind sie derartig erwähnt. In den verschiedensten Medien sind sie Gesellen des Horrors. Oder sind's eher die Raben? Ich bin mir noch im Zweifel.
Beide tragen jedenfalls Ähnlichkeit, wenn auch ohne Verwandtschaft? Zumindest sind beide Arten von schwarzem Gefieder, dem öffentlichen Markenzeichen des Grusels. Krähen oder Raben, harmlos oder feindlich? Sie tragen wohl ihr glänzendes Federkleid als frappierendes Kennzeichen ihres mystischen Lebens? Den Glanz der Unterwelt, der uns ebenfalls umfängt, stürzen wir nur in ihre Fallgruben. Die Vögel der stillen Untaten. Man sagt, es seien Wiedergeborene - oder? So steht es in den Büchern.

Und der Tag heute beweist mir ganz nüchtern, Krähen vollführen doch höllischen Lärm auf den Bäumen und Wegen. Erst Sturm, dann Fall, meine ich. Sie bearbeiten scheinbar ein wichtiges Problem, eine Methode aufzufallen, in einem nur Vögeln gegenwärtigem Esperanto, schreien ihre Meinung heraus? Sicher dabei, das niemand sie versteht. Oder wie Geprügelte, auch sozial Verletzte, deren Rechtfertigungen man gern überhört.

Gelassen schaue ich ihnen zu, das Fenster richtet sich westwärts, in Richtung großer Garten, zu diesen Pappeln.
Keine Aufgabe im persönlichen Plan, mein Tagessoll ist fertiggestellt, auch das Fernsehen ist heute blamabel langweilig. Zumal am Nachmittag. Das Journal auf dem Schreibtisch bietet keinen kribbeligen Gruselfilm. Solche Filme oder Bücher konsumiere ich mit Wolllust. Die Videosammlung birgt viele Exemplare. Die Regale strotzen von solchen Büchern.

Mein Interesse für diese Viecher wächst mit den Dezibel ihres Radaus. Kaum flexibel, eher flugträge, verharren sie lange auf einer Stelle des Astplatzes. Vielleicht besitzen sie Biorhythmen? Gesteuertes Verhalten? Gelenkt von einem Besitzer? Womit ich wieder an ihre aufgepfropfte Gruselrolle erinnert werde. So bevölkern meine Gedanken schmale Wissensgebiete, die ich eigentlich besser kennen müsste. Das Lexikon, welches ich jetzt in den Händen halte, sagt aus: Krähen sind Rabenvogelarten aus der Gattung Corvus. Also sind es deutlich gesagt RABEN - und sie untergliedern sich in Krähen, auch Dohlen, Elstern, Kohlraben, und andere. Krähen sind Raben. Glücklich, dass ich das Lexikon besitze, schlage ich noch analoge Stichwörter auf.
Sie verbindet dichte Verwandtschaft, das weiß ich nun, belehrt vom Werk der Wissenschaft. Amüsiert darüber, ich hatte falsch geordnet, aber auch verwundert. Doch richtig aufmerksam werde ich durch den folgenschweren Satz: Sie sind intelligenter als andere Vogelarten.
Was können sie denn, wenn sie intelligenter als andere sind? Ein wenig grüble ich schon darüber hier diese Krähen vorm Haus zu haben. Eine eigenartige Bewandtnis.

Ein Hauch von schwarzer Mystik spannt sich überm Garten, aufgrund der Dinge, wie ein enges schwarzes Netz - auch auf meine Gedanken. Ihre Existenz ist sogleich Ursache.

Mein Wissen beschämt mich. Typische Gesellen des Gruselfilms und ich weiß nur wenig über sie. Das neu Hinzugekommene verhilft zu keiner bedeutenden Addition von neuen Eindrücken, nur eines, sie scheinen doch auch manchem Eigenbrötler auf dem Rücken zu sitzen? Schaue ich so die Leute genauer an. Auch nur symbolisch - oder? Aber Erwin Klobtrott nebenan macht den Eindruck eines tiefgreifend Allwissenden, das sind Parkplätze für solche Raben. Er hat einen krummen Rücken, ein prima Platz für so ein Viech?

Eine Phase des Überdenkens entlockt doch Lacher aus meinem Hals - je mehr Nervenfasern in diesem Überlegungsfieber miteifern, um so eher auch bleiben Krähen für mich schwarze, unbekannte Wesen, Vögel, eben Tiere. Was wissen schon Krähen, was können sie schon ausrichten? Dumme harmlose Vögel. Basta.
Ich habe mich selbst mit dieser letzten Überlegung beruhigt. Das Thema ist abgehakt. Nun ist Schluss.

Das Fenster breit auf, damit zugleich frische Luft ins Zimmer strömen kann, lehne ich mich hinaus und sehe noch den Villaeigentümer Oscar Dumal zu SPAR nebenan laufen, dort kauft er häufig seine Lebensmittel. Ein jüngeres schwarzes Köpfchen schimmert, das Mädchen Vanessa Schimmelpfennig geht sicher wieder zum Frisör, auf hochhackigen Schuhen - etwas unbequem ...

Der Krähenkrawall entfacht Neugier, wie die Eleganz eines neuen Autos. Mein Blick ist gefangen. Noch mehr Krähen setzen sich auf die Pappel. In oberer Stellung auf dem sich verjüngenden Ast eine herausragend riesige Krähe. Vielleicht der Anführer?, - so keimt die Idee einer simplen Vorstellung. Der Ast wackelt heftig infolge ihres Gewichts.
Und Meisen und Spatzen haben sich vor ihnen längst aus dem Terrain verflüchtigt. Die Übeltäter weisen zu große Schnäbel auf. Mit einigem Dafürhalten kann man solchen "Spieß" für eine Waffe ansehen. Ein Fakt, der mich frustriert.

In diesem Moment hallt der laute schrille Ruf: "Zum Angriff!" von irgendwoher, - aus einem unsichtbaren, also bestimmt virtuellen Mund. Vielleicht aus einer imaginären Öffnung in der Luft, eine Singularität, man kennt dies aus Filmen. Und ich griene dabei wie ein Fernsehmoderator.

Jemand, ein Avatar eventuell, hat es gewalttätig geschaffen. Die Stimme ruft weit hinaus über den Garten, wie ein Kommando des vermeintlichen Besitzers dieser schwarzen Vögel, wenn es einen gibt, und es gibt wohl einen, dieser dunklen Stimme nach zu urteilen?

Staunend sehe ich die riesige Krähe ganz voran, den spitzen Schnabel waagerecht um Fleisch aufzuspießen - so scheint mir die Sachlage kritisch zu werden. Der Pulk fliegt heran, ein Vernichtung bringendes Geschwader mehrerer Dutzende Raben.
Sie fliegen in einer pfeilartigen Formation, Schnabelspitzen todbringend gerichtet, wie gewaltige fleischfressende Hautflügler, die Pterosaurier der Oberen Kreidezeit. Mir fällt das Analoga ein, da ich gestern im Naturkunde-Museum war. Ameisenkrabbeln fließt über meinen Rücken.
Ziel ihres Fluges scheint mein Haus? Mein Herz beginnt heftiger zu schlagen. Hundert Meter noch entfernt. Und ich bilde mir ein, sie streben haargenau auf mein Fenster zu.

Erschrocken, an Gruselfilme von HITCHCOCK und anderer Filmemacher denkend, deren Vögel gar durch den Kamin kamen und die Bewohner zerfleischten bis auch nichts mehr übrig blieb. An Vögel, die, die Leber eines Mannes herauspickten, an Vögel die Augen ausstachen, einfach so, oder an Vögel die ganze Stadtteile terrorisierten. Solche Horrorszenario stürzen jetzt wuchernd in mein Hirn. Ihr unabwendbares Kommen bringt Unruhe in meinen Körper. Mein Puls ist sicher auf Neunzig? Nun spüre ich Gefahr.
Blitzschnell schließe ich das Fenster mit behändem Schwung, bevor die Krähen heran sind. Schaue angeekelt hinaus. Linien von Angst im Gesicht, die Angst frisst sich durch den gesamten Körper, bis in die Haarwurzeln.
Sie wird einen kurzen Moment zur Qual. Blass geworden, zerre ich Gedanken an das Luftgewehr im Keller, hervor. Erleichtert, doch ich würde es nicht mehr zeitmäßig schaffen, zu spät der Vorsatz. Gleich sind sie da. Geduckt vernehme ich schon ihren dumpfen Flügelschlag, ihr dumpfes Vogelschreien, das mir höchstes Unheil verkündet, sie fliegen heran. Ich schließe selbstergeben kurz die Augen, erwarte in dem Moment Grauenvolles.

Sie sind knapp vor mir ... plötzlich, völlig unerwartet, ziehen sie im steilen Winkel kräftig nach oben, über das Haus hinweg, im wilden gespenstischen Korso, und davon, als ob sie noch Gnade für mich in letzter Sekunde empfunden hätten?
Oder sie waren gebannt durch meine Sicherheit hinter Beton und Glas?

Ich falle aufs Bett hinter mir. Dann sitzend, strömt all dies nochmals durch den Kopf, und plötzlich quillt stoßweise Zorn durch die Adern - gerettet, aber total bloßgestellt. Blamiert vor mir selbst. Niemand hat den Vorgang glücklicherweise beobachtet?
Sie haben mir große Angst entlockt und dabei wie urige Chamäleons nur getäuscht, eine verrückte, aber doch schlimme Situation simuliert. Ein Beinahe-Geschehen, die Möglichkeitsform. Man könnte meinen, sie wollten Reaktionen testen? Ja, ich glaube sie sind intelligent. Lernen sie auf diese Weise?
Noch immer weiß ich nicht genug von ihnen. Ein Tag ist zu wenig.

Meine Angst hat diesen Reflex konstruiert, Halluzinationen geboren. Woher plötzlich? Von meiner Manie für Grusel?
Im Unterbewusstsein meines Hirns lauert wahrscheinlich schon permanent diese Angst, sie wartet auf den Anlass und ich habe diese innere Invasion meiner Emotionen nie bemerkt?
Hinausblickend, sehe ich ganz rechts, an der Kante des Hauses, eine Gruppe Jungen Fußball spielen und auch jetzt erschallt wieder ihr zackiges Kommando: "Zum Angriff!" ...

Doch still mein Mut, ich gestehe Zufriedenheit - sie sind weg. Weggeflogen, wie eben Krähen über den Himmel ziehen.
Sie sind und bleiben schwarze Täuscher. Kommunikation? Herausforderung? Geckenhaftes Benehmen? Aber sie sind offensichtlich keine schwarzen Gesellen des bösen Unheils. Das ist nur unsere Provokation. Unser erfinderischer Blickwinkel.